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Dieser Artikel aus dem Ressort Stadtleben Weniger Kinder, zerstörte FamilienFast 50 Prozent allein Erziehende in BerlinVon Julia Kaulard Immer mehr Berliner Kinder wachsen bei nur einem Elternteil auf. Sie müssen nicht nur auf ein Stück Familie verzichten, auch das Risiko, in Armut aufzuwachsen, wächst mit der Trennung der Eltern. Verbände warnen vor einer unheilvollen Entwicklung. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Familien mit Kindern in Berlin um 15 Prozent verringert. Zurzeit gibt es 351 900 Ehepaare, Lebensgemeinschaften oder allein Erziehende, die minderjährige Kinder haben. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Stichprobenuntersuchung «Mikrozensus» durch das Statistische Bundesamt. Zugleich ist der Anteil der Kinder, die bei einem einzigen Elternteil aufwachsen, stark angestiegen: Seit 1991 um ganze 23,9 Prozent auf nunmehr insgesamt 146 700 «Ein-Eltern-Familien». In einem Bezirk sind diese Familien sogar in der Mehrheit: In Pankow wachsen zurzeit knapp 20 000 Kinder oder Geschwister bei Ehepaaren auf - etwas mehr, nämlich 20 300 Kinder leben bei allein erziehenden Elternteilen. Die wenigsten Familien mit nur einem Elternteil (12 300) gibt es in Steglitz-Zehlendorf: mehr als doppelt so viele Kinder, 25 200, wachsen dort bei verheirateten Eltern auf. Und die Stammhalter der «Normalfamilien» haben zwar nicht immer, aber statistisch gesehen doch oft, Vorteile. Denn die finanzielle Situation ist bei ihnen zu Hause oft wesentlich besser als bei den kleinen und kleinsten Familien, haben Selbsthilfegruppen wie der VAMV - «Verband alleinerziehender Mütter und Väter» in Berlin herausgefunden. Knapp 30 Prozent aller «Ein-Eltern-Familien» bezögen Sozialhilfe, gut zehn Prozent mehr als bei den Paar-Familien, heißt es beim Verband. Denn oft schaffen es Väter oder Mütter ohne Partner nicht, Erziehung, Kinderaufsicht und Beruf zu vereinen - Aufgaben, die Ehepaare sich aufteilen können. Stattdessen beziehen allein Erziehende teils nur Niedriglohneinkommen, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe. Auch dem aktuellem Armutsbericht der Stadt Berlin zufolge sind allein Erziehende von Armut überproportional stark betroffen: Mehr als ein Drittel (35,6 Prozent) der in solchen Haushalten Lebenden haben demnach weniger als 546 Euro zum monatlichen Lebensunterhalt zur Verfügung, wenn im Haushalt zwei Kinder leben. Der Anteil steige mit der Zahl der Kinder weiter an. Der weit verbreiteten Vermutung allerdings, Scheidungskinder wären unglücklich, widerspricht Psychologe Robert Bauserman aus Baltimore: Ein Kind mit getrennten Eltern könne genauso glücklich aufwachsen wie bei zusammen lebenden, hat der Wissenschaftler mit einer neuen Studie über Scheidungskinder herausgefunden. Beste Voraussetzung dafür sei allerdings, wenn das Kind ein Viertel seiner Zeit mit dem Elternteil verbringen könne, bei dem es nicht wohnt. Ledige ElternDer Verband allein erziehender Väter und Mütter im Netz: www.vamv.de
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