Dieser Artikel aus dem Ressort Bezirke
der Berliner Morgenpost Online vom 30.11.2002
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Bei Wind und Wetter im Wald

Morgenpost im Kiez: Eine ganz besondere Kita - Schüler üben sich in Ökologie

Von Björn Engel

In Berlin gibt es sechs Waldschulen, in denen Großstadt-Schüler Wissenswertes über die Natur lernen. Etwas ganz anderes ist ein Waldkindergarten. Die Hermsdorfer «Waldwichtel» kommen ohne festes Gebäude aus - ihr «Spielzimmer» ist der Tegeler Forst.

«Waldwichtel e.V.» - der Name ist gut getroffen; da muss man nur die Steppkes durch das Gehölz toben sehen. 16 Kinder zwischen drei und fünf Jahren werden seit mehr als einem Jahr in der Waldkita gleichen Namens umsorgt und gehegt.

Jeden Morgen, von Montag bis Freitag, heißt es für die Bande: 8.30 Uhr sammeln an ihrem Bauwagen am Ende der Schulzendorfer Straße in Hermsdorf, ab 9 Uhr Abmarsch Richtung Eichen und Buchen. Ob Sonne oder Nieselregen - die kleinen Bälger in ihren wetterfesten Jacken und gummierten Hosen kennen keinen Schmerz. Weshalb sie mittlerweile ihre Indianernamen, die sie sich während eines sommerlichen Spiels mal gegeben haben, auch mit stolzgeschwellter Brust tragen.

Nur Finn musste nachbessern. Der hieß noch vor kurzem «Kleine Schildkröte». Doch seitdem er so furchtlos mit den anderen durch den Tegeler Forst streift, hat er sich umbenannt: «Großer Wolf» heißt er nun. Sagt's und präsentiert zwei kleine Galläpfel, die Ursula Sackmann-Lüpnitz aufschneiden muss. Innendrin lebt irgendein Gekreuch, das - was ja dem Städter auch erst mal gesagt werden muss - überhaupt dafür sorgt, dass die gelb-roten Dinger wachsen.

Doch reicht es nicht, dass die Erzieherin die Äpfelchen aufschneidet, Finn möchte, dass die freundliche Frau sie einsteckt und mitnimmt. Warum? «Weil ICH sie gefunden habe!» lautet die selbstbewusste Antwort.

So einfach kann das Leben und Spielen im Wald sein. Und so erfolgreich: «Ich bin der festen Meinung», sagt Ursula Sackmann-Lüpnitz, «dass sich Kinder in einer Waldkita einfach besser entwickeln.» Spielzeug? Außer Seilen und einer Werkzeugkiste im Bollerwagen brauchen die Kleinen nichts. Die spielen mit dem, was sie finden. Wetter? Wenn jeder so fit und abgehärtet wäre wie die Waldwichtel, könnte die Ministerin für Gesundheit auf ihre Reformen getrost verzichten. Verletzungen? «Bisher nichts Schlimmes», sagt die zweite Erzieherin Susanne Hengst. Dabei gewähren die insgesamt drei Erzieherinnen ihren Anvertrauten weiten Auslauf.

Zwei von ihnen gehen bei den Erkundungsgängen durch den Wald immer mit. Eine am Kopf des Zuges, eine am Ende - dazwischen in diesen Tagen etliche Meter bunter Mützenparade. Rita mit eleganter roter Kopfbedeckung springt ganz vorne mit. Linus - für seine vier Jahre ein wahrer Kraftmeier - schwitzt sich unter seinem hell/dunkelblauen Modell mit schweren Ästen ab. Und Elisa - kecke Mütze in Orange mit grauen Bommeln - verkündet lautstark, dass sie am Nikolaustag vier Jahre alt werde. Eine lebenslustige Meute.

Info: Den Waldkindergarten haben Eltern gegründet, er wird mit dem üblichen Satz vom Senat gefördert. Weitere Infos unter Tel.:  401 97 62

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