Dieser Artikel aus dem Ressort Bezirke
der Berliner Morgenpost Online vom 23.10.2002
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Mütter säubern die Spielplätze selbst

Karlshorst: Elterninitiative übernimmt Aufgaben des Bezirksamts

Von Ingo Rössling

Besorgte Karlshorster Mütter greifen zur Selbsthilfe auf den Spielplätzen. Sie wollen nicht länger hinnehmen, dass Glasscherben, aufgerissene Bier- oder Cola-Dosen, Zigarettenkippen, Hundekot und sonstiger Unrat ihre Kinder gefährden. Deshalb gründeten sie mit einem «harten Kern» von zehn Frauen eine Elterninitiative, die immer mehr Zulauf gewinnt, auch von Vätern, Omas oder Opas.

Sprecherin Carolin Ritter: «An erster Stelle steht für uns die Sauberkeit der Sandkästen.» So müsse der Sand auf den beiden Spielplätzen an der Liszt-/Ilsestraße und im Rheinsteinpark vom Bezirksamt dringend gereinigt und sogar ausgetauscht werden. Auch die Gebüsche und Wege würden bisher nur halbherzig von Müll befreit.

Nach einer ersten eigenen Säuberungsaktion im Frühling startet die Elterninitiative morgen um 10 Uhr im Rheinsteinpark eine weitere. Bettina von Hirschfeld weiß als Mutter aus eigenem Erleben: «Da sich kleine Kinder vieles in den Mund stecken, drohen auch daher ernsthafte Verletzungen.»

Enttäuscht sind die Eltern von den Bezirksverordneten. «Unser schriftlicher Hilferuf vom Juni an die BVV blieb bisher unbeantwortet», so Frau Ritter. Darin hatten die Mütter auch eine bessere Ausstattung mit Spielgeräten und mehr als vier bislang nutzbare Spielplätze im Ortsteil gefordert. In Karlshorst leben etwa tausend Kinder unter sechs Jahren. Die Elterninitiative erwartet, dass die BVV auf ihrer heutigen Sitzung klar Stellung bezieht und auch die Einladung zu einer Besichtigungstour annimmt.

Umweltstadtrat Andreas Geisel (SPD) hatte jüngst eingeräumt, dass dem Bezirk Lichtenberg ein Spielplatz-Kollaps droht. So befinde sich der überwiegende Teil aller 151 öffentlichen Anlagen in schlechtem baulichen Zustand. Die Mittel reichten gerade aus, die Sicherheit zu gewährleisten. Für dringende Sanierung benötige man allein bis 2003 aber 15 Millionen Euro. Die CDU tritt für Spielplatz-Patenschaften von Einwohnern oder Betrieben ein. Die Karlshorster Eltern sind der Idee nicht abgeneigt.

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