Dieser Artikel aus dem Ressort Stadtleben
der Berliner Morgenpost Online vom 14.11.2002
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«Wir brauchen Sozialarbeiter an den Schulen»

Es gibt immer mehr und immer jüngere Schwänzer. Morgenpost-Redakteurin Christa Beckmann sprach mit Schulpsychologin Karin Podlesch über Alarmsignale und Auswege.

Frau Podlesch, gibt es Warnsignale?

Karin Podlesch: Ja. Niemand wird von heute auf morgen zum Schwänzer. Das ist ein Prozess. Am Anfang ziehen sich die Kinder meistens in sich zurück. Sie gehen zwar noch zum Unterricht, sind aber geistig abwesend. Später folgen kürzere Fehlzeiten - häufig noch entschuldigt - dann immer längere, bis die Kinder schließlich gar nicht mehr kommen. Warnsignale bei jüngeren Schülern können Klagen über Bauch- oder Kopfschmerzen sein. Die Kinder wollen nicht mehr zur Schule gehen. Eltern sollten dann mit ihren Kindern und den Lehrern sprechen, um die Gründe herauszufinden.

Welche Kinder sind besonders gefährdet?

Vor allem Kinder mit schwierigem sozialem Hintergrund, also aus Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind oder Alkoholprobleme haben. Solche Schüler bringen schon Leistungsschwächen mit, weil sie zu Hause kaum Anregungen bekommen. In der Schule erleben sie deshalb häufig Misserfolge. Dadurch empfinden sie eine weitere soziale Abwertung. Dieser Situation versuchen sie sich durch Schwänzen zu entziehen. Doch je länger sie fortbleiben, desto größer wird die Angst vor der Schule. Das Ganze ist ein Teufelskreis.

Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden?

Lehrer oder Mitschüler sollten auf keinen Fall Kommentare abgeben wie: «Na, besuchst du uns auch mal wieder?» Sie sollten einem Schwänzer stattdessen das Gefühl vermitteln, dazuzugehören und ihm signalisieren: «Du hast uns gefehlt.» Im Unterricht muss auch über das Thema gesprochen werden, ebenso wie über Zukunftsängste und die oft empfundene Perspektivlosigkeit. Außerdem sollten die Lehrer im Verdachtsfall frühzeitig den Kontakt zu den Eltern suchen. Gerade an Problemschulen sind Lehrer damit aber oft überfordert. Deshalb brauchen wir - wie in Finnland - Sozialarbeiter und Schulpsychologen an den Schulen.

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