Dieser Artikel aus dem Ressort Titelseite
der Berliner Morgenpost Online vom 13.11.2002
wurde Ihnen geschickt von heike-grolms-k@web.de
.

Berlins Schulsenator will Kita-Gebühren abschaffen

Böger regt generellen Kurswechsel an: Studiengebühr statt kostenpflichtiger Kindergartenplätze?

Von Regina Köhler

Berlin - Berlins Bildungssenator Klaus Böger hat angeregt, die Betreuung in Kindertagesstätten kostenlos anzubieten. Auf einer Podiumsdiskussion von Berliner Morgenpost und ZDF sagte er, dass es sinnvoller wäre, statt am Anfang des Bildungsweges an dessen Ende Kosten zu erheben. Allerdings wollte Böger die Äußerung nicht als Forderung nach Studiengebühren verstanden wissen.

Kitas leisteten einen überaus wichtigen Beitrag für die frühkindliche Bildung und Erziehung, hier würden Grundlagen für den gesamten nachfolgenden Bildungsweg geschaffen, sagte Böger. Diese Grundlagen sollten allen Kindern zugänglich sein. Kostenfreie Kitas wären eine logische Überlegung.

Der Vorschlag des SPD-Politikers stieß bei den schul- bzw. jugendpolitischen Sprechern der Fraktionen im Abgeordentenhaus auf Interesse. Özcan Mutlu von den Grünen forderte eine personell wie finanziell bessere Ausstattung der Kitas. Es sei unverständlich, dass Elementarbildung die Eltern Geld koste. Sieglinde Schaub (PDS), plädierte dafür, als einen ersten Schritt das Vorschuljahr innerhalb der Kita kostenfrei zu machen. Schließlich würde hier der Grundstein für die weitere Ausbildung gelegt. «Die Vorschule sollte möglichst kostenfrei sein», forderte auch Felicitas Tesch, schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Sascha Steuer, jugendpolitischer Sprecher der CDU, gab zu bedenken, dass laut Giftliste des Senats eher über eine Erhöhung der Kita-Kosten nachgedacht wurde. «Kostenfreiheit ist angesichts der Haushaltslage nicht finanzierbar. Wir setzen uns für eine soziale Staffelung der Kita-Beiträge ein», sagte Steuer. «Kostenfreie Kitas sind eine alte Forderung der FDP», betonte Mike Senftleben von der FDP. Es sei nicht einsichtig, dass für die Kita, wo Basisbildung stattfände, Gebühren erhoben würden, für das Studium aber nicht.

«Die finanzielle Situation Berlins macht es erforderlich, dass sowohl Kitas als auch Universitäten kostendeckender betrieben werden», sagte Claus Guggenberger, Sprecher von Finanzsenator Thilo Sarrazin. Berlin gebe ohnehin mehr für Kitas aus als andere Bundesländer.

Lesen Sie auch:

«Sparen an der Bildung hat fatale Folgen» Bildungsexperten sind sich im Zollernhof einig: Schule gibt es nicht zum Nulltarif

Kommentar: Kostenfreie Kitas

Weitere Teile der Serie Sind Berlins Schulen noch zu retten?

Diesen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.morgenpost.de/archiv2002/021113/titel/story562148.html

(C) Berliner Morgenpost Online 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Berliner Morgenpost