Berlin, 22.02.04
Für Grundschüler werden die Hortplätze knapp
Das neue Schulgesetz sieht eine Ganztagsbetreuung ab 2005 vor, deswegen
bauen Kitas und Kinderläden bereits jetzt die Angebote ab
Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einem drohenden Hortplatzmangel
im kommenden Schuljahr. Etliche Kindertagesstätten ließen bereits jetzt ihre
Hortangebote auslaufen, obwohl die Grundschulen noch keine entsprechende
Betreuungskapazität aufgebaut hätten, berichtet Kita-Referent Martin Hoyer.
Der Senat müsse endlich klare Vorgaben machen, damit die freien Träger
ermutigt würden, auch in diesem Jahr noch neue Hortplätze anzubieten,
fordert Hoyer. Einzelne Bezirke sind bereits dabei, nach kurzfristigen
Übergangslösungen zu suchen wie in Tempelhof-Schöneberg.
An sich ist derzeit geplant, dass die geplanten Hortplätze an den
Grundschulen erst zum Sommer 2005 eingerichtet werden müssen. Viele Kitas
trennen sich aber schon jetzt von den Hortplätzen. Hintergrund ist die
forcierte Übergabe von bezirklichen Kitas an freie Träger. Diese wollen aber
2004 nicht mehr mit dem Auslaufmodell "Hort" beginnen, wenn sie jetzt schon
wissen, dass damit 2005 sowieso Schluss sein wird. Deshalb richten sie ihre
Räume und Konzepte von vornherein lediglich auf Krippen- und Kitakinder ein.
"Warum sollte ein freier Träger jetzt ein Kita-Kind ablehnen und ein
Hortkind aufnehmen, wenn er noch gar nicht weiß, ob er das Hortkind auch
über 2005 hinaus behalten kann?", fragt Hoyer. Er appelliert an den Senat,
diese und andere offene Fragen jetzt zu klären und die herrschende "Unruhe"
zu beenden.
Wie wichtig eine baldige Klärung der Übergangssituation ist, zeigt
exemplarisch Tempelhof-Schöneberg. Hier erhielten bereits etliche Eltern
Kündigungen ihrer Hortplätze, obwohl die zuständigen Grundschulen noch gar
nicht in der Lage sind, eine Ganztagsbetreuung zu bieten. Eine Mariendorfer
Mutter berichtet, dass sie bereits alle umliegenden Kitas "abgeklappert" hat
ohne Erfolg. Ihr Sohn besucht die zweite Klasse der Ikarus-Grundschule,
die im Sommer aber zunächst nur Erstklässler in den Hort aufnehmen kann,
weil die notwendigen Umbauten der Essens- und Aufenthaltsräume in der Schule
noch nicht abgeschlossen sind. Ein ähnliches Problem gibt es an der
Paul-Simmel-Grundschule an der Felixstraße in Tempelhof. Auch hier werden in
der Umgebung alle Kitas bereits zum Sommer gänzlich auf die Betreuung
kleiner Kita-Kinder umgestellt, sodass etliche Familien nicht wissen, wie
sie ihre Schulkinder während und nach den großen Ferien betreuen lassen
können.
Im Bezirksamt hat man inzwischen erkannt, dass der vom Senat betriebene
Umbau der Kita- und Hortlandschaft "Doppel- und Dreifachprobleme bereitet",
wie es der Planungsbeauftragte Roger Gapp ausdrückt. Er ist jetzt dabei
gegenzusteuern: Die Paul-Simmel-Grundschule soll nun doch schon ab 2004 und
nicht erst wie geplant 2005 mit dem Hortbetrieb beginnen. Hier wird jetzt
rasch Geld in den Umbau der Essensbereiche investiert.
Auch den Eltern der Ikarus-Grundschule soll geholfen werden. Dort soll es in
erster Linie bei der Aufnahme der Erstklässler bleiben, in Einzelfällen
könnten aber auch Kinder anderer Klassenstufen aufgenommen werden.
Koordinator Gapp verspricht, dass er sich um "individuelle Lösungen" bemühen
werde. Kein Kind dürfe "auf der Straße stehen".
Susanne Vieth-Entus