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Freier Träger dreht an der Kita-Gebührenschraube

Neben- und Mietkosten werden auf Eltern umgelegt - Zusatzausgaben höher als der reguläre Monatsbeitrag

Von Florentine Anders

Nach der drastischen Erhöhung der Kita-Beiträge durch den Senat drehen nun offenbar einige freie Träger zusätzlich an der Gebührenschraube. Neben dem regulären Kita-Beitrag von 80 Euro soll Familie Schleser aus Pankow 52 Euro Eigenbeitrag für den Träger Klax gGmbH zahlen und künftig obendrein einen Mietkostenanteil von 35 Euro. Damit sind die Zusatzkosten höher als der gesetzliche Beitrag. Für Verärgerung sorgt vor allem die Miete, die mit dem Umzug der Kita in ein neues Gebäude ab November auf die Eltern umgelegt werden soll.

Die Klax-Kita am Eschengraben 77 war seit Jahren marode, deshalb drohte die Schließung. Das mietfreie Gebäude gehörte dem Land Berlin, doch der Bezirk konnte für die Sanierung nicht aufkommen. "Wir waren gezwungen, ein anderes Gebäude zu finden. Der Bezirk konnte uns keine Alternative bieten", rechtfertigt Andrea Stadthaus von Klax die Umzugs-Lösung. Ein Investor hatte sich angeboten, ein altes Botschaftsgebäude in der Arnold-Zweig-Straße zur Kita auszubauen: mit Platz für 240 Kinder. Der Elternanteil an der Miete mache lediglich ein Drittel aus, sagt Andrea Stadthaus. Götz Schleser schüttelt ungläubig den Kopf: "Demnach würde das neue Haus monatlich 25 000 Euro Miete kosten. Unvorstellbar, dass es keine günstigere Variante geben soll."

Die Eltern an der Miete oder an den Sanierungskosten zu beteiligen, das sei gängige Praxis, meint Klax-Sprecherin Andrea Stadthaus.

Eltern befürchten nun, dass mit der vorgesehenen Übernahme von zwei Dritteln der städtischen Kitas durch freie Träger und die Übertragung von sanierungsbedürftigen Gebäuden an sie, ein solches Vorgehen gang und gäbe wird. Die Senatsbildungsverwaltung sieht da keine Gefahr: "Solche Anbieter werden vom Markt fliegen", sagt Anne Rühle, Sprecherin der Verwaltung. Die Eltern könnten zwar kaum rechtlich dagegen vorgehen, aber durch einen Trägerwechsel solche überhöhten Preise abstrafen. Zudem sei in den Kostensätzen, die die Träger vom Land erhalten, bereits ein Mietanteil enthalten.

Auch die Jugendstadträtin von Pankow, Christine Keil (PDS), billigt das Vorgehen der Klax gGmbH nicht und ermutigt die Eltern, den Druck auf die Betreiber zu verstärken: "Bei künftigen Übertragungen an freie Träger müssen die Eltern in den Verhandlungen unbedingt darauf achten, dass die finanziellen Bedingungen gleich bleiben."

Berliner Morgenpost, vom: 17.04.2004
URL: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2004/040417/berlin/story672506.html